Monday, 20 June 2011

Betreff: RE: Sprachlos

Linda Gruber

Freitag, 04. Dezember um 19:17 Uhr

Betreff: RE: Sprachlos

Dem, lieber widerwärtiger, feiger und ignoranter Scheißkerl, habe ich nichts hinzuzufügen. D'accord auf jeder Linie.

Aber ich bitte dich inständig, lass uns aufhören, in der Vergangenheit herumzurühren – das ist es nicht, was ich will. Ich will dich. Will heißen, mit dir sprechen, mit dir kommunizieren, will mir deine Vorzüge ausborgen, um das Duo Linda & Tobi mit einer Prise Ludwig zu würzen. Nichts weiter will ich. Ich würde dich gerne einfach ein wenig ausnutzen, um meinen Alltag aufzuwerten. Ist das in Ordnung? Können wir uns darauf einigen? Du hast sowieso keine Chance, denn du schuldest mir die Welt.

PS: Quasimodo sieht ganz hervorragend aus. Über die optische Ästhetik musst du dir keine Sorgen machen. Da bin ich in den besten Händen. Ich weiß nicht recht, wie ich sie nun beschreiben soll, die Schönheitsfehler, die keine sind, ohne deine Verzückungsrufe bis nach Hamburg zu hören. In mir drinnen entsteht soeben eine ausgewachsene und eklig intensive Abwehrhaltung, die mir strikt verbietet ins beschreibende Detail zu gehen – und zwar deshalb, weil ich es vermeiden will, dass du dich in Sicherheit wähnst, mein Bester. Gerne würde ich behaupten, Tobi sei ein gefährlicher Konkurrent, der dich in einem Duell locker (und aus der Hüfte heraus) umpusten würde, doch da habe ich mir mit meinen geistlosen Andeutungen über die Tobi-sche Geistlosigkeit wohl selbst ein Bein gestellt. Und so hat es jetzt wenig Sinn, mir und dir einen Traumprinzen zu spinnen, der dich in die Knie und die Eifersucht zwingt. Mist.

Nun gut. Sollst du sie bekommen, die ungeschminkte Wahrheit, doch möchte ich dich inständig bitten, das Folgende zu inhalieren, herunterzuschlucken und unkommentiert zu lassen. Nicht einmal zwischen deinen schönen Zeilen möchte ich dein Grienen herauslesen können. Hörst du, mein Freund?! Unkommentiert!

Aber mein Bericht wird warten müssen, denn jetzt habe ich mich in egoadressierte Rage geschrieben. Wieso konnte ich meine hyperaktive Schnute nicht halten? Wieso schaffst du es immer wieder, mir meine schlimmsten, dunkelsten, ärgsten und geheimsten Geheimnisse zu entlocken? Ludwig, ich kann das gar nicht gutheißen. Und deshalb werde ich mich jetzt eMANzipieren und dich ein kleines süßes wenig schmoren lassen auf der niedrigen Flamme der Neugier und Antizipation.

Und außerdem habe ich mich verabredet mit Sophie und Louisa. Sophie kocht. Rein biologisch makrobiotisch. Diesen Floh hat ihr ein neuer Kollege im Labor ins versuchslustige Öhrchen gesetzt. Ich glaube, die Kombination aus seinen „irrsinnig langen und unverschämt gebogenen Wimpern“ sowie seinen Sommersprossen tat da ihr Übriges.

Und nach der Makrobiotik sind wir dann geladen zur Einweihungsfete bei Spießer Schlohmeyr. Heißa, das klingt nach einer lustigen Sause.

Auf Wiederhören, lieber Ludwig, genießen Sie Ihren Freitagabend. Und bitte taxieren sie doch die Sophie einmal für mich - aus meinem femininen und gar scheelen Blickwinkel. Von oben nach unten und rundherum.

Ich danke im Voraus,

Ihre Linda

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